sollte man nicht per Ferndiagnose rum kritteln, Herr Broder.
Als Mensch, der in dem Veedel lebt, in dem die bereits bestehende Moschee nun endlich in ein würdiges Gebetshaus – statt der hässlichen Industriebaracke, in der momentan die Gottesdienste stattfinden – umgebaut wird, kann ich nur unterstreichen, dass es mehr als richtig war, den Ewiggestrigen von Pro Köln und ihrer unsäglichen Anhängerschaft den Zugang zu ihrem “Kongress” friedlich(!) zu blockieren.
Wenn man sich die Mühe macht und recherchiert (Sie haben dies anscheinend nicht nötig), wird man sich wundern, dass laut Ausruf eines “Kongress”-Teilnehmers die Zionisten schuld daran waren, dass die Veranstaltung verboten wurde (WDR-Bericht vom 20.09.) – soviel zu herrschenden Ressentiments der Pro Kölner-Anhängerschaft.
Aber nein, stattdessen begehen Sie lieber provokativ einen Faux Pas, den ich Ihnen nicht verzeihen kann: Halven Hahn ist eine von mir geschätzte lokale Spezialität und diese in den Dreck zu ziehen zeigt auf, dass es in Ihrer weniger wohlfeilen Polemik (wo ist Ihr einst so scharfzüngiger und pointierter Intellekt verblieben, Herr Broder?) wohl eher darum geht, selber abzukotzen.
Mir ist schon klar, dass die meisten Menschen außerhalb Kölns das gelebte Mit- und tollerierte Nebeneinander in unserem rheinischen Melting Pot nicht verstehen können, aber von Ihnen hätte ich mir mehr Differenzierungsfähigkeit erhofft.
Ich möchte Sie an dieser Stelle bitten, sich mit Pro Köln näher auseinanderzusetzen, dann wird auch Ihnen bewusst werden, mit welcher Bande man es zu tun hat: Machtgeile Faschisten, die sich mangels eigenen Inhalten an Stammtischideologien bedienen müssen und dies auch noch frank und frei zugeben, wie Markus Beisicht das in einem Interview tut.
Bevor Sie nun denken: “Der Kerl ist Heimat- und Kölschverblendet und sollte seine gerstenfarbene Brille abnehmen!” möchte ich noch eines anfügen:
Religionskritik, gerade und vor allem am Islam, ist notwendiger denn je, keine Frage, aber gestern war weder Raum noch Zeit dafür, es ging schlichtweg darum, Antidemokraten, die sich nicht scheuen, ihre eigene Unzulänglichkeit mit Namen wie Le Pen – der von seinem Glück offensichtlich nichts wusste – oder Holocaust-Leugner Nick Griffin – der wieder ausgeladen wurde, als es den Pro Köln-Funktionären anscheinend bewusst wurde, wie schwierig dieser nach außen zu verkaufen wäre – aufzuwerten, da das eigene Profil weniger Tiefe besitzt, als die Moderationen auf 9live.
Ich bin nach wie vor froh und stolz über die mannigfaltigen und kreativen Proteste und Blockaden und aber auch bestürzt über die Gewalt, die von seiten der Antifa ausging.
Und diese Freude, Herr Broder, werden auch Sie uns multikulturell und karnevalistisch versauten Kölnern nicht nehmen.
[...] Broder kann meinetwegen die Schnauze halten, wenn er sich schon nicht die Mühe machen mag, auf meinen Beitrag (dessen Existenz ich ihm per Mail bekannt gab), der eine spontane Erwiderung auf seine plumpe [...]